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09. September 2011
Kein »Ein-Opern-Komponist«! Alan Curtis entdeckt Christoph Willibald Gluck

Alan Curtis gilt als herausragender Entdecker der Opern von Georg Friedrich Händel. Etliche gefeierte wie preisgekrönte Gesamtaufnahmen verdanken wir seinem unermüdlichen Engagement - und wenn sich dieser wohl brillanteste Experte für Alte Musik aufmacht, ein bisher kaum bekanntes Werk eines anderen großen Meisters zwischen Barock und Klassik zu entdecken, darf man gespannt sein. Genau am Scheidepunkt des Jahrhunderts, im Jahre 1750, entstand Chris-toph Willibald Glucks Oper Ezio, die nun unter Curtis' Leitung erscheint.
Max Emanuel Cencic, Topi Lehtipuu, Sonia Prina, Ann Hallenberg, Mayuko Karasawa und der junge Nachwuchstenor Julian Prégardien: Die Besetzung, die Curtis für dieses Opernjuwel ausgewählt hat, gehört zur créme de la créme der jungen Sängergarde im Bereich Alter Musik. »Gluck wurde lange zu Unrecht als Ein-Opern-Komponist betrachtet", erklärt Curtis. »Man sah ihn nur als Schöpfer des Orfeo." Die Oper Ezio entstand 12 Jahre vor diesem berühmten Werk und bietet in absoluter Meisterschaft die Opernstandards der Zeit — allerdings in einer höchst individuellen Ausprägung, die einen großen Gegenakzent zu Händel bietet und bereits die ersten Anzeichen der kommenden Klassik zeigt. Händel selbst hat die Neuerungen seines Kollegen nicht verstanden und nach einer berühmten Anekdote behauptet, sein Koch verstehe mehr vom Kontrapunkt als Gluck. Doch es sollte Glucks Opernstil sein, der schließlich mit überzeugenden Handlungen und einer Verschmelzung von Bühnengeschehen und Musik die Brücke zu einem neuen Opernstil bilden sollte.
