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19. Oktober 2011
Beethoven hat den Jazz erfunden! Eine jazzige Entdeckungsreise durch die Klassik

Insidern ist die Passage als »Boogie-Woogie-Stelle« ein Begriff: Im letzten Satz von Beethovens Klaviersonate Nr. 32, einem gemeinhin als schwerem Spätwerk apostrophierten Stück, taucht aus der Klangfülle auf einmal etwas auf, das kaum in Beethovens klassisch-romantische Tonwelten zu passen scheint: Eine lange Passage aus purem Swing, mit einem deutlichen Blues- und Boogie-Anteil — für heutige Ohren geradezu ein Rätsel. Als hätte der (zu dieser Zeit) taube Komponist eine Zukunftsvision gehabt und innerlich akustisch weit in eine andere Region, die US-Südstaaten gelauscht ... Die Stelle war für die Macher dieser Jazz-Entdeckungsreise Anreiz, noch mehr Jazz in der Klassik aufzuspüren. Und es ist ihnen gelungen!
Von Beethoven führt der Weg direkt zu einem seiner größten Bewunderer - Johannes Brahms, in dessen zweiter Cellosonate man einem Walking Bass begegnet, der ebenfalls Bilder vom Mississippi-Delta weckt, während Modest Mussorgsky - zu seiner Zeit ein großer, missverstandener Musikvisionär — in seinen Bildern einer Ausstellung Quincy Jones vorausahnte. Weiter geht‘s mit Debussys Golliwogg’s Cake Walk — dem ersten Ragtime der Musikgeschichte. Viele Komponisten freilich waren schon Zeitgenossen der ersten Jazz-Blüte in den 20ern des letzten Jahrhunderts, und arbeiteten facettenreich an einer Verschmelzung: Ob Ravel, Bartók, Milhaud, Weill, Gershwin oder Bernstein. Doch auch sie blickten bewundernd zu Beethoven zurück, mit dessen »Boogie-Woogie-Stelle« alles begann!