11. Januar 2012

Ein Engel mit der Trompete: Die Ersteinspielung von MacMillans "Seraph"

Wenn die Trompetenvirtuosin Alison Balsom ihr goldglänzendes Arbeitsgerät an die Lippen setzt, kann man ein Musikerlebnis von Weltklasse erwarten. Die »Paganina der Trompete«, wie sie längst genannt wird, zieht alle Register der poetischen Töne ihres Instrumentes.
Immer wieder konstatiert ihr die Kritik eine elegante, lyrische und geschmeidige Note, die man bei dem Blechblasinstrument kaum erwarten würde. Jetzt stößt Alison Balsom nach klassisch-barockem Repertoire in die Moderne vor — unter anderem mit der Ersteinspielung des Konzerts Seraph von James MacMillan. Bernd Alois Zimmermanns Trompetenkonzert (1954) über die Spiritual-Melodie Nobody knows de trouble I see verbindet Moderne und Jazz. Alison Balsom kombiniert das Werk mit einem Solo-Arrangement des Songs. Auch das Konzert des Armeniers Alexander Grigori Arutunian gilt als moderner Klassiker — und als heiß ersehnter Kandidat für Balsoms Diskografie. So zeigt sich die Ersteinspielung des für Alison Balsom komponierten Konzerts Seraph des Schotten James MacMillan von 2011 vor einem breiten Panorama der Trompeten-Moderne. Das Stück ist geprägt von MacMillans Hinwendung zur Sakralmusik - ein Thema, das sich durch das gesamte Werk des 1959 geborenen Komponisten zieht. Nicht zufällig trägt das Werk als Titel den Namen einer himmlischen Engelsgestalt, die man traditionell mit dem Klang der Trompete in Verbindung bringt.